Blessgans mit Satellitensender
Frühjahrszug 2006
Frühjahrszug 2007

Blessgänse brüten in der russischen und sibirischen Arktis und überwintern in großer Zahl in West- und Mitteleuropa. Über ihre Zugwege ist im Detail bislang wenig bekannt. Daher werden die Zugwege der Blessgans seit 1998 intensiv untersucht. 2006 konnten diese Studien durch den Einsatz von Satellitensendern nochmals intensiviert werden. Hierzu wurden 30 Ganter mit solarbetriebenen GPS-Satellitensender (Microwave Solar GPS PTT 100 45g) besendert.
Im Spätwinter 2006 wurden fünf Gänse in den Niederlanden an verschiedenen Fangplätzen besendert. Drei der Vögel brachen zum Frühjahrszug Ende März auf. Während zwei Vögel den Weg über Polen, das Baltikum und von hier aus über Karelien an das Weiße Meer flogen (wo beide abgeschossen wurden), zog einer der Vögel von der Kurischen Nehrung nonstop durch Weißrussland in die Nordukraine, wo sie fast fünf Wochen rastete. Von hier aus flog der Vogel nach Norden zur Kaninhalbinsel. Nach einem weiteren Zwischenstopp flog der Ganter die Küste entlang bis nach Yamal, wo sie vermutlich einen Brutversuch unternahm. Zur Mauser flog der Blässganter an den Ost-Taimyr-See.
Im Spätwinter 2007 wurden weitere 14 Blässgänse besendert. Wie bereits im Vorjahr flogen die Gänse Ende März Richtung Osten und rasteten nach kurzen Zwischenrasten in Ostdeutschland alsbald in verschiedenen Rastgebieten des Baltikums, Weißrusslands oder Ostpolens. Ein Vogel wählte den Weg über Schleswig-Holstein und Bornholm und dann über die offene Ostsee nach Litauen. Nahezu alle Vögel nutzten dabei das Mündungsgebiet des Nemounas (Memel) als Zwischenrastgebiet. Von hier aus teilten sich die Wege der Gänse erneut: während der größere Teil der Vögel weiter nach Osten ins zentrale Russland zog, nahm ein geringerer Teil der Vögel die Route über Litauen, Lettland und Estland. Unabhängig vom gewählten Zugweg kamen aber alle Vögel im Mai wiederum auf der Kanin-Halbinsel an, um von hier aus nach einer Zwischenrast in die Brutgebiete weiterzuziehen. Vier Vögel brüteten auf Kolguyev, einer auf Novoya-Zemlya, ein anderer auf Vaygasch, an der Karasee oder verbrachte den Sommer auf Taimyr.
Im Winter 2008 konnten erneut zehn Sendervögel entlassen werden, von denen neun im März abzogen (ein Vogel war bereits in den Niederlanden abgeschossen worden). Wie bereits in den Vorjahren zogen die Vögel über Ostdeutschland und Polen in das Vierländereck Polen – Kaliningrad – Litauen – Weißrussland. Erneut besuchte der überwiegende Teil der Gänse das Nemounas-Delta. Von den neun Vögeln wählten drei den Weg über die baltischen Staaten, fünf zogen ostwärts nach Weiß- und Zentralrussland während ein Vogel erneut den Weg über die Nordukraine wählte.
Im Gegensatz zu dem differenzierten Frühjahrszugmuster der Blässgänse weisen die herbstlichen Zugdaten auf einen konzentrierten Zugweg, der von Kanin über das Weiße Meer und das Baltikum nach Polen und Ostdeutschland führt. Nur die Daten des Sendervogels „Adri“ von 2006 weisen auf einen innerkontinentalen Zugweg, der zunächst den Ob flusswärts führt, dann südlich des Ural nach Westen biegt, um dem Lauf der Wolga über Polen bis nach Ostdeutschland zu reichen.
Zwei über mehr als ein Jahr verfolgte Blässgänse weisen einen ausgeprägten Schleifenzug auf. Dieser darf für nahezu alle Blässgänse angenommen werden. Ausnahmen bilden möglicherweise die Vögel, die bereits im Frühjahr den Weg über die baltischen Staaten wählten.
Die Zugwege der Blässgänse bestätigen die Existenz eines innerkontinentalen Zugwegenetzes der grauen Gänse wie dies von Mooij et al. (1996) postuliert wurde.
Mehr Informationen zum Projekt der Besenderung mit Satellitensender auf www.blessgans.de.