Daniel Doer
Bestandsentwicklung arktischer Gänse am Unteren Niederrhein
Erstankunft der Blessgänse am Unteren Niederrhein

Der Vortrag basiert auf Auswertungen der Ergebnisse der flächendeckenden Gänsezählungen der AG Wildgänse in der Nordrhein-Westfälischen Ornithologen-Gesellschaft (NWO), die seit dem Winter 1988/89 stattfinden. Der Vortragsinhalt ist zum Teil bereits im Gänse-Schwerpunktheft Charadrius 43 (2007) publiziert worden (Wille et al. 2007, Sudmann & Doer 2007). Heute werden die NWO-Gänsezählungen von der NABU-Naturschutzstation koordiniert.

Nach der Zunahme der Blässgans-Wintermaximalzahlen seit Ende der 1970er und der daran anschließenden Abnahme der Saatgans-Maximalbestände vom zwischenzeitlichen Bestand von 50.000 Individuen, sind die Maximalbestände seit Beginn der flächendeckenden Zählungen stabil. Sie schwanken bei der Blässgans von (100.000) 130.000 bis 180.000 (200.000) und bei der (Tundra-)Saatgans von (5.000) 10.000 bis 20.000 (30.000). Bei beiden arktischen Arten ist eine deutliche Verfrühung der Erstankunftsdaten festzustellen: Die Blässgans erreichte in den 1970er Jahren erst Mitte bis Ende Dezember den Niederrhein, heute kommt sie meist Mitte September bis Anfang Oktober an. Bei der Saatgans reicht die Verfrühung von Mitte Dezember (1960er) bis Mitte Oktober.

Die Maximalbestände der Weißwangengans sind von wenigen Hundert auf 3.500 Ind. angestiegen, das Durchzugsmaximum wird im Februar oder März erreicht. Ringablesungen deuten darauf hin, dass sich hier vielleicht ein neuer Frühjahrs-Zugweg der Ostsee-Brutpopulation ausbildet. Die Weißwangengans ist seit 1994 auch Brutvogel am Niederrhein (Reeser Meer, Kreis Kleve).

Bei den Rast- und Brutbeständen der nichtarktischen Gänsearten zeigen sich Zunahmen bei allen Arten. Graugänse haben seit 1994/95 von etwa 1.000 auf bis zu 10.000 Ind. und Kanadagänse von 20 auf 180 Ind. zugenommen. Bei den Halbgansarten haben sich die Nilgans-Maximalbestände von etwa 100 auf 2.000 und die der Rostgans von 10 auf knapp 200 Ind. erhöht. In einem kleinen Exkurs wird die Bestandsentwicklung beim Silberreiher dargelegt. Hier gibt es bisher keine standardisierte Erfassung, aber die auf der Homepage der NABU-Naturschutzstation eingetragenen Zufallsbeobachtungen nehmen bei der Tagessumme von wenigen Einzelindividuen auf knapp 50 Ind. im Winter 2007/08 deutlich zu.

Seit dem Winter 1992/93 werden von der NABU-Naturschutzstation in Kranenburg öffentliche Busexkursionen zu den arktischen Wildgänsen angeboten. Bei durchschnittlich 1.000 bis 3.000 Besuchern pro Saison (und trotz eines deutlichen Einbruchs der Besucherzahlen in Folge der Vogelgrippe) konnten bisher etwa 32.000 Besucherinnen und Besucher begrüßt werden! In der beginnenden Saison 2008/09 hoffen die Veranstalter auf den 33.333ten Besucher bei ihren Gänseexkursionen.

Literatur

Wille, V., Doer, D. & M. Hackstein (2007): Bestandsentwicklung der arktischen Wildgänse in Nordrhein-Westfalen von 1997/1998 bis 2003/2004. Charadrius 43 (4): 130-142.
Sudmann, S.R. & D. Doer (2007): Rastbestände nichtarktischer Gänse und Halbgänse in Nordrhein-Westfalen 1998/1999 bis 2003/2004.Charadrius 43 (4): 143-154.