Dr. Helmut Kruckenberg berichtet von den Kolguyev-Expeditionen

Kolguyev - Insel der Gänse

Kolguyev ist eine Insel in der Barentssee 90km vor der Festlandsküste gelegen. Sie hat die doppelte Größe vom Saarland. 1894 wurde die Insel das erste Mal von Vogelkundlern besucht und es entstand ein Buch über diese Expedition. In den letzten hundert Jahren haben keine 10 Expeditionen dorthin stattgefunden. Die meisten dieser Reisen waren weniger als einen Monat, in der Regel sogar nur eine Woche lang. <br/ >1994 fand die letzte Expedition nach Kolguev statt und hier wurden einige Untersuchungsflächen angelegt, deren Untersuchung wir 2006 fortsetzen konnten.
In den Jahren 2006, 2007 und 2008 haben wir untersucht, wieviele Gänse auf Kolguyev brüten, wie der Bruterfolg ist, welche Faktoren dafür verantwortlich sind und wie hoch der Reproduktionserfolg ist.

Nach unserern Ergebnissen stellt Kolguyev den wichtigsten Brutplatz arktischer Gänse in der westlichen Paläarktis dar. Die Nestdichten erreichen bis zu 60 Nester / 10km², während sie in anderen Teilbereichen des Brutgebietes zwischen 0,8 und 1,6 Nester / 10km² liegen.

Tab.: Ergebnisse 2006 - 2008

  Blessgans Saatgans Nonnengans  
Anzahl Brutpaare 120.000-180.000 15.000 - 20.000 75.000  
Prozent Population 30% ? 40%  
Schlupferfolg 70-80% 60-70% 95%  
Trend rückläufig? rückläufig zunehmend  
Schneelagen beeinflussen den Bruterfolg der Gänse

Der Bruterfolg der Gänse hängt stark von der Witterung im Frühjahr ab. Dabei ist entscheidend, wieviel Schnee zur Zeit der Ankunft der Gänse in den Brutgebieten liegt. Der Schnee schmilzt in den Mooren und der Flussniederung schneller als im Hügelland. In Jahren mit später Schneeschmelze stehen den Gänsen daher weniger Brutplätze zur Verfügung. Die Vögel des Hügellandes müssen warten und dabei werden wichtige Energiereserven aufgezehrt. Später Gelege sind kleiner und werden stärker prädiert als frühe. In späten Wintern werden daher weniger Küken flügge als in frühen Frühjahren.

Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der Kolguyev-Forschungen hier.
Die Expeditionen nach Kolguyev wurden durch das Vogelschutz-Komitee e.V. und das UNEP-GRID Projekt ECORA ermöglicht.